Hiddensee 2019

Liebe Botanikfreunde,

es scheint Gedankenübertragung zu sein, während wir am Samstag zur Vortragstagung in Neubrandenburg über die Möglichkeiten der botanischen Mitarbeit auf Hiddensee sprachen, landete der Brief des Nationalparkamtes VBL im Postkasten.

Wie in der Jahreseinladung im Januar 2019 angekündigt, besteht die Möglichkeit auf Hiddensee an einer Vegetationserfassung des Strandwallfächers mitzuarbeiten. Wir werden vom 29.7. bis 2.8. 2019in der Biologischen Station Kloster unterkommen und Di bis Do in kleinen Gruppen die Vegetation erfassen. Freitag werden bis Mittag, ebenfalls in Kleingruppen die Dauerquadrate eingerichtet. Abends treffen wir uns im Kursraum zum Gedanken-, Funde- und Materialaustausch. Am frühen Abend des Anreisetages am Mo besprechen wir Inhalte und Abläufe.

Das Exkursionsgebiet erreichen wir mit Fahrrädern, wir radeln ca. 6 km bis zur Dünenheide südlich von Vitte. Ansonsten sind im Strandwallfächer keine Wege, wegen der Kreuzottern sind auch im Sommer Wanderschuhe zu tragen.

Der Strandwallfächer ist ein Mosaik aus Reffen und Riegen, die sich fächerartig bis an die Boddenkante ziehen. Dadurch entstehen im Süden Verzahnungen mit Salzgrünland. Überwiegend werden wir in Feuchten und Trockenen Zwergstrauchheiden (4010, 4030, 2150, 2190) und Wacholderheiden (5130) arbeiten.

Diese Veranstaltung ist 2019 zusätzlich zu unserem bewährten Programm organisiert worden, weil es floristisch sehr viel zu entdecken gibt. Der Strandwallfächer ist spätestens seit Frödes Arbeiten (1949, 1957) für seine exklusive botanische Artenausstattung bekannt. Sie gründet sich vor allem aus der historischen Nutzung des Gebietes und die damit verbundenen Standortmosaike. Mit der Auflassung der Flächen ist die Sukzession unverkennbar und die Entwicklung zum Wald abzusehen. Die Verdichtung der Vegetationsdecke wegen des ausbleibenden Verbisses, fehlenden Trittes und des atmogenen Stickstoffeintrages sowie daraus folgender Bodenveränderungen führte in den letzten Jahrzehnten zur Reduzierung zahlreicher bedrohter Arten, u.a. Apium inundatum, Radiola linoides, Rhynchospora fusca oder Drosera intermedia. Aber auch weniger seltene Arten wie Erica tetralix oder Trichophorum cespitosum verloren an Lebensraum. Im Winter 2019 wurde eine Gehölzentnahme durchgeführt und eine anschließende Beweidung mit Schafen und Pferden ist gesichert. Damit erhalten die konkurrenzschwachen und an offene Standorte gebundenen Arten eine Chance. Gleichzeitig besteht die Möglichkeit für inzwischen sehr selten gewordene Pflanzengesellschaften ein Lebensraummosaik zu schaffen und einigen stark gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Arten des Florenschutzkonzepts M-V das Überleben zu sichern.

Wir wollen in den wichtigsten Pflanzengesellschaften Dauerquadrate anlegen, sie mit einer Vegetationsaufnahme und einer Vermarkung im Gelände (Magnete) versehen. Diese Arbeiten erfolgen rein ehrenamtlich aus botanisch-wissenschaftlichem Interesse. Wir werden nicht unterstützt, so dass jeder Teilnehmer mit einem Aufwand von ca. 150 € rechnen muss. Das heißt Fährüberfahrt, Übernachtung und Fahrradausleihe sowie eigene Verpflegung sind selbst zu bestreiten. Die Organisation der Übernachtung und notwendige Koordinationen vor Ort übernehme ich. Uns stehen 24 Plätze zur Verfügung.

Bei Interesse bitte bei mir (heike.ringel@curculio.de) anmelden.

Alles Weitere dann in der nächsten Runde. Falls die Kapazität überschritten wird, werde ich eine Warteliste führen. Es erwarten uns viele tolle Arten und Vegetationsformen, die in MV selten sind!!

Mit besten Grüßen,
Heike Ringel